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Unterrichtsprojekt mit einer Blog-Phase zum Text „Im Dornengebüsch“ von Franz Kafka

Zielgruppe: fortgeschrittene Lerner, die auf dem Weg zur Stufe C1 sind.

Form: individuelle Blogs

 

Im Dornengebüsch

Franz Kafka

Ich war in ein undurchdringliches Dorngebüsch geraten und rief laut den Parkwächter. Er kam gleich, konnte aber nicht zu mir vordringen. ,,Wie sind Sie denn dort mitten in das Dorngebüsch gekommen“, rief er, „können Sie nicht auf dem glei­chen Weg wieder zurück?“ „Unmöglich„, rief ich, „ich finde den Weg nicht wieder. Ich bin in Gedanken spazieren gegangen und plötzlich fand ich mich hier, es ist, wie wenn das Gebüsch erst gewachsen wäre, nachdem ich hier war. Ich komme nicht mehr heraus, ich bin verloren.“ „Sie sind wie ein Kind“, sagte der chter, „zuerst drängen Sie auf einem verbotenen Weg durch das wildeste Gebüsch und dann jammern Sie. Sie sind doch nicht in einem Urwald, sondern in einem öffentlichen Park, und man wird Sie herausholen.“ „So ein Gebüsch gehört aber nicht in einen Park“, sagte ich, „und wie will man mich retten, es kann doch niemand her­ein. Will man es aber versuchen, dann muss man es gleich tun, es ist ja gleich Abend, die Nacht halte ich hier nicht aus, ich bin schon ganz zerkratzt von den Dornen, und mein Zwicker ist mir hinuntergefallen und ich kann ihn nicht finden, ich bin ja halb blind ohne Zwicker.“ „Das ist alles gut und schön„, sagte der Wächter, „aber ein Weilchen werden Sie sich noch gedulden müssen, ich muss doch zuerst Arbeiter ho­len, die den Weg aushacken, und vorher noch die Bewilligung des Herrn Parkdirek­tors einholen. Also ein wenig Geduld und Männlichkeit, wenn ich bitten darf.“

Da Kafka den Text nicht vollendet hat, bietet es sich nach dem Lesen und der Aneignung des Inhalts an, den fehlenden Schluss von den Schülern in Blogs gestalten zu lassen. In der Vorbereitungsphase soll besprochen werden, dass es nicht auf stilistische, sondern auf inhaltliche Nachahmung ankommt. Inhaltlich wird man die Gestal­tungen in a) groteske (qualvoller Tod z.B.), b) reale (Rettung) und c) traumhafte (Erwachen) Lösungen einteilen können. Die Schüler werden auf die psychische Situation des Ich-Erzählers und auf den Zusammenhang zwischen der äußeren Situation und der sich steigernden Angst und Hilflosigkeit des Betroffenen aufmerksam gemacht. Ferner werden sich die Argumente auf den Konflikt mit dem Parkwächter, der durch Vorwürfe und Verständnislosigkeit gekennzeichnet ist, auf phantastische Elemente (Dornengebüsch im Park, Zugang etc.) und auf die totale Abhängigkeit von anonymen Institutionen beziehen. Obwohl der Text keine direkten Anhaltspunkte für eine .Traumlösung‘ bietet, könnte argumentiert werden, dass die Vermischung von Realem und Phantastischem typisch für Träume ist und dass in anderen Werken Kafkas (,,Die Verwandlung“ und „Der Prozess“ z.B.) Traumsituationen vorkommen.

Nach der Veröffentlichung der Blogs werden die Schüler aufgefordert, alle Blogs durchzulesen, um in der anschließenden Diskussion zu entscheiden, welcher Schluss am besten zur Vorlage passt.

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